Lektion 10: Auslegungs-Werkzeuge

Forsche sorgfältig nach



Dieses Video macht uns auf mindestens drei wichtige Tatsachen aufmerksam:
  1. Gute Beobachtung erfordert bewusste Wachsamkeit.
  2. Wir sehen selten alles, was wir sehen sollten.
  3. Wir sehen jedes Mal mehr, wenn wir zurückgehen und erneut lesen.
Eine gute Auslegung setzt voraus, dass wir einen Text sorgfältig beobachten und ihn neugierig mit bohrenden Fragen erkunden. Wie wir in 1. Petrus 1:10-12 gesehen haben, haben die Propheten des AT genau das getan.

Wirksame Beobachtung

Für eine wirksame Beobachtung ist Folgendes erforderlich:
  1. Entschleunige. Fast alles in unserer Kultur und in uns selbst sträubt sich dagegen. Multitasking und Effizienz haben in unserer modernen Welt hohe Priorität. Deshalb ist es wichtig, dass du bewusst langsamer wirst und aufmerksam liest. Lies, lies und lies noch einmal.
  2. Sei unermüdlich neugierig. Stelle Fragen, auch die offensichtlichen. Lass eine Frage zur nächsten führen. Ziehe alle möglichen Antworten in Betracht und wäge dann ihre Vorzüge ab. Scheue dich nicht, eine schwierige Frage zu stellen. Lass aber auch nicht zu, dass die wichtigen Fragen für immer unbeantwortet bleiben.

Psalm 23: Ein Beispiel


Ein Zeugnis von Martin Luther

Im Folgenden findest du einen Auszug aus Martin Luthers eigenem Zeugnis über seine Bekehrung - die zum Teil durch ernsthaftes Nachforschen in der Heiligen Schrift erfolgte. Die Reformation wurde von einem Mann ausgelöst, der sorgfältig suchte und nicht locker ließ, bis er eine Antwort auf die Frage nach der Bedeutung des Textes hatte.
Ich hatte freilich mit einer außerordentlichen Begierde darnach getrachtet, den Paulus im Briefe an die Römer zu verstehen, aber es hatte mir dabei, nicht etwa das kalte Blut, welches das Herz umfließt, im Wege gestanden, sondern das einige Wort, welches Cap. 1,17. (Vulg.) steht: „Die Gerechtigkeit Gottes wird in demselben offenbart.“ Ich hasste nämlich dieses Wort: „Die Gerechtigkeit Gottes“, weil ich durch den Brauch und die Gewohnheit aller Lehrer so unterwiesen war, dass ich es in philosophischer Weise verstehen müsste, von der formalen oder tätigen Gerechtigkeit (wie sie es nennen), nach welcher Gott gerecht ist und die Sünder und die Ungerechten bestraft. Ich aber, der ich mich, so untadelhaft ich auch als Mönch lebte, vor Gott als einen Sünder befand und ein sehr unruhiges Gewissen hatte, auch die Zuversicht nicht fassen konnte, dass er durch meine Genugtuung versöhnt werde, liebte nicht den gerechten Gott, der die Sünder straft, ja, ich hasste ihn. Und wenn auch nicht mit geheimem Lästern, so zürnte ich doch sicherlich mit gewaltigem Murren auf Gott und sagte: Als ob es in der Tat nicht genug wäre, dass die elenden und durch die Erbsünde ewig verlorenen Sünder durch das Gesetz der heiligen zehn Gebote mit jeder Art von Unglück beladen sind, – musste denn Gott auch noch durch das Evangelium Jammer auf Jammer häufen, und uns auch durch das Evangelium seine Gerechtigkeit und seinen Zorn androhen? So wütete ich in meinem bösen und beunruhigten Gewissen, doch klopfte ich ungestüm bei Paulus an dieser Stelle an, indem ich aufs heftigste darnach dürstete, zu wissen, was St. Paulus meine. Endlich, da ich Tag und Nacht darüber nachdachte, gab ich durch Gottes Gnade auf den Zusammenhang Acht, nämlich: Die Gerechtigkeit Gottes wird darinnen offenbaret, wie geschrieben steht: Der Gerechte lebet seines Glaubens. Da fing ich an zu verstehen, dass die Gerechtigkeit Gottes die sei, durch welche der Gerechte durch die Gabe Gottes lebt, nämlich durch den Glauben, und dass dies die Meinung sei: durch das Evangelium werde die Gerechtigkeit Gottes offenbart, nämlich die leidende (passivam), durch welche uns der barmherzige Gott durch den Glauben gerecht macht, wie geschrieben steht: Der Gerechte lebet seines Glaubens. Da habe ich empfunden, dass ich ganz wiedergeboren sei und durch die offenen Türen in das Paradies selbst eingegangen. Da erschien mir sofort die ganze Schrift ein ganz anderes Ansehen zu haben. Sodann ging ich durch die Schrift, so weit ich sie im Gedächtnis hatte, ... Mit wie großem Hasse ich nun zuvor das Wort „die Gerechtigkeit Gottes“ gehasst hatte, mit so großer Liebe hielt ich dies Wort hoch als das, welches mir das allerlieblichste war. So ist mir diese Stelle des Paulus in der Tat die Pforte des Paradieses gewesen. Martin Luther: Vorrede zum ersten Bande der Gesamtausgabe seiner lateinischen Schriften, 1545, zitiert nach Walch, 2. Ausgabe, Bd. 14, Sp. 446-448, Rechtschreibung angepasst

Werkzeuge für die Aufzeichnung deiner Erkenntnisse, Beobachtungen und Fragen

Im weiteren Verlauf dieser Lektion erhältst du einen Einblick in die Biblearc-Module, die du zum sorgfältigen Studium von Schriftstellen verwenden kannst. In jedem dieser Module findest du Werkzeuge, die dir helfen, deine Einsichten, Beobachtungen und Fragen zu markieren und aufzuzeichnen.
1. Das Phrase Modul:


2. Das Look-up Modul:

3. Das Discourse Modul:

Bibelauslegung